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"Geht in die Selbsthilfe -
sie ist wichtig für Euch"
Klaus Limpert aus Kassel ist stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der Freundeskreises und hat an dem Workshop in Magdeburg teilgenommen. Er wurde vom Blauen Kreuz in Deutschland organisiert in Kooperation mit einer Fachklinik.
Warum ist das Thema Kooperation zwischen Selbsthilfe und beruflicher Suchthilfe Deiner Meinung nach wichtig?
Klaus Limpert: Weil das eine nicht ohne das andere funktioniert. Wenn Selbsthilfe und hauptamtliche Suchthilfe eng und gut zusammenarbeiten, sind sie umso erfolgreicher. Dabei muss die Kooperation auf Augenhöhe stattfinden. Noch besser ist es, wenn Menschen aus der Selbsthilfe schon an den Therapiegruppen teilnehmen und dort ihren Ansatz einbringen können. Der Ansatz der Selbsthilfe ist direkter ist als der therapeutische und von persönlichen Beziehungen geprägt.
Mit welchen Erwartungen bist du in die Workshops des Projekts gegangen?
Klaus Limpert: Ich wollte Informationen sammeln, auch der Austausch war mir wichtig. Mein Ziel war und ist es, etwas zu verändern. Zum Beispiel findet die Selbsthilfe nicht in allen Kliniken offene Türen vor. An diesem Punkt sind die Rentenversicherer gefordert, die Zusammenarbeit mit Selbsthilfe zu einem Kriterium für die Beurteilung der Kliniken zu machen.
Welche Ergebnisse hatte der Workshop, was war wichtig für Dich?
Klaus Limpert: Wir haben beispielsweise den oben genannten Wunsch an die Rentenversicherung erarbeitet. Außerdem wünschen wir uns einen Austausch zwischen Selbsthilfe und der stationären Einrichtung, mit der die Selbsthilfe zusammenarbeitet. Einmal im Jahr sollte man sich zusammensetzen und darüber reden, wie es läuft. Was gut läuft, was besser laufen könnte. Auch hier gilt: Beide Seiten müssen ihre Meinung auf Augenhöhe sagen können, diese Rückmeldungen dürfen keine Einbahnstraße sein.
Ansonsten haben wir in dem Workshop sehr ergebnisorientiert gearbeitet und auch unsere Ideen eingebracht. Zum Beispiel einen Fragebogen für Therapeuten, was sie sich von der Selbsthilfe wünschen. Aber auch umgekehrt, was Selbsthilfe sich von den Therapeuten wünscht. Für mich war auch die Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden ein schöner Erfolg. Es ging um inhaltliche Fragen und nicht um Konkurrenzdenken. Ein solcher Austausch zwischen Vertretern der Verbände tut der Sache gut.
Hat der Workshop des Projekts auf deine praktische Arbeit irgendwelche Auswirkungen gehabt?
Klaus Limpert: Zum einen hat sich für mich durch die Workshops die Akzeptanz den anderen Verbänden gegenüber geändert. Außerdem stelle ich Selbsthilfe in der Klinik etwas anders vor. Bisher habe ich dies sehr bezogen auf die Freundeskreise und den Verein getan, das steht jetzt an zweiter Stelle. Ich bin allgemeiner geworden und vermittele den Menschen in der Klinik: Tut etwas, geht in die Selbsthilfe, sie ist wichtig für euch.
"Sich gemeinsam in die Zukunft vorhangeln"
Ursula Biskup ist seit vielen Jahren im Landesverband Württemberg der Freundeskreise aktiv. Die betroffene Angehörige war in den Workshops im saarländischen Wallerfangen dabei, die von den Freundeskreisen organisiert wurden. Kooperationspartner war eine psychiatrische Einrichtung.
Warum ist das Thema Kooperation zwischen Selbsthilfe und beruflicher Suchthilfe Deiner Meinung nach wichtig?
Ursula Biskup: Die Zusammenarbeit ist wichtig, um mehr betroffene Angehörige von Menschen mit Suchtproblemen zu erreichen. Sie brauchen ebenfalls Hilfe und können über die Vorstellung der Selbsthilfe in den Kliniken auf die Hilfe in den Gruppen aufmerksam werden. Das gilt natürlich ebenso für die betroffenen Suchtkranken. Insgesamt finde ich es wichtig, dass wir an dem Respekt und der Wertschätzung für den jeweils anderen arbeiten, um eine funktionierende Zusammenarbeit möglich zu machen.
Du hast im Workshop als Angehörige teilgenommen - was ist dir für Angehörige wichtig?
Angehörige sollten sich weniger über die Bedürftigkeit des Betroffenen definieren beziehungsweise definieren lassen; vielmehr muss wieder die Not der mit betroffenen Angehörigen in den Blick des gesamten Hilfesystems genommen werden. Mein Bitte - Angehörige macht Euch auf die Suche nach Eurer eigenen Geschichte, setzt Euch damit auseinander und fordert auch Hilfe vonseiten des Systems."
Mit welchen Erwartungen bist du in die Workshops des Projekts gegangen?
Ursula Biskup: Ich hatte die minimale Erwartung, dass aus diesem Projekt ein Zipfelchen eines roten Fadens hervorschaut, an dem Haupt- und Ehrenamt sich gemeinsam in die Zukunft vorhangeln können, zum Wohle der hilfesuchenden Suchtkranken. Für mich war dabei wichtig, dass beide Seiten bei ihren Konzepten und Arbeitsweisen bleiben dürfen und erkennen, dass ein gegenseitiges Updaten wichtig ist, damit daraus langfristig Respekt und Vertrauen wachsen können. Das gilt übrigens auch unter den örtlichen Selbsthilfe-Gruppen.
Welche Ergebnisse hatte der Workshop, was war wichtig für Dich?
Ursula Biskup: Für mich wurde im Verlauf eines Gesprächs mit dem Chefarzt der psychiatrischen Einrichtung in Wallerfangen klar, dass die Selbsthilfe strukturiert, differenziert und trotzdem einheitlich gegenüber den stationären Einrichtungen auftreten muss. Für die Klinik muss klar sein: in diese Gruppe kann ich 'Wackelkandidaten', dort kann ich Suchende, hier kann ich Reflektierte, Trockene, Nasse etc hinschicken. Die Vielfalt von Gruppen und Angeboten ist zwar eine Stärke nach innen, aber eine Schwäche nach außen. Denn es fehlt die Transparenz für den jeweils anderen, und was noch bedenklicher scheint, für den hilfesuchenden Menschen.
Notwendig ist, eine funktionierende Beziehungsebene mit den Hauptamtlichen aufzubauen, ein regelmäßiger Austausch, Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang miteinander. Also Werte und Arbeitsweisen, die wir in der Selbsthilfe kennen. Sie können zum Gelingen eines partnerschaftlichen Miteinanders zwischen Ehrenamt und Hauptamt führen.
Hat der Workshop des Projekts auf deine praktische Arbeit irgendwelche Auswirkungen gehabt?
Ursula Biskup: Wir haben in Württemberg bereits eine Zusammenarbeit auf der Ebene der Verbände, die sogenannte Baden-Württembergische Arbeitsgemeinschaft, kurz BWAG genannt. Mir scheint eine solche Zusammenarbeit auf den Verbandsebenen sehr wichtig. Wir sollten diese Zusammenarbeit intensivieren und im örtlichen Bereichen fortsetzen. Die Tage in Wallerfangen waren interessante Tage mit guten Gesprächen – solche Begegnungen halte ich des Öfteren für empfehlenswert.
Vermitteln "wie wichtig Selbsthilfe ist"
Jonny Jakubowski ist im Landesverband Bremen der Freundeskreise aktiv. Er hat an den Workshops des Projekts in Bremen teilgenommen, die von den Guttemplern organisiert wurden. Kooperationspartner war eine Tagesklinik.
Warum ist das Thema Kooperation zwischen Selbsthilfe und beruflicher Suchthilfe Deiner Meinung nach wichtig?
Jonny Jakubowski: Es muss deutlich werden, dass Selbsthilfe ein wichtiges Angebot für Menschen mit Suchtproblemen ist. Zur Zeit funktioniert die Zusammenarbeit mit einer Klinik hier in Bremen nur sehr schlecht und es ist kaum Interesse vorhanden. Mir wäre wichtig in solchen Fällen zu vermitteln, wie wichtig Selbsthilfe ist.
Mit welchen Erwartungen bist du in die Workshops des Projekts gegangen?
Jonny Jakubowski: Ich bin mit wenig Erwartungen in den Workshop gegangen und habe alles auf mich zukommen lassen. Dass die Tagesklinik Change Kooperationspartner im Workshop war, war sehr gut. Denn die Bremer Freundeskreise hatten schon vorher Kontakt mit der Tagesklinik und wir haben uns dort bereits vorgestellt.
Welche Ergebnisse hatte der Workshop, was war wichtig für Dich?
Jonny Jakubowski: Ich konnte Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit der Tagesklinik einbringen. Viele Teilnehmende hatten, ebenso wie ich, weniger gute Erfahrungen mit stationären Einrichtungen. Außerdem ging es darum, nicht nur die eigene Gruppe und den eigenen Verband vorzustellen, sondern Selbsthilfe generell. Die Vertreterin der Tagesklinik war sehr offen gegenüber der Selbsthilfe und die Zusammenarbeit im Workshop mit dieser Klinik sehr gut.
Hat der Workshop des Projekts auf deine praktische Arbeit irgendwelche Auswirkungen gehabt?
Jonny Jakubowski: Ich habe mich bemüht, bei der Vorstellung in den Kliniken nicht nur über die Freundeskreise zu reden, sondern stärker über Selbsthilfe generell zu informieren.

